Schwerpunktthema auf jjahnke.net - zuletzt aktualisiert: 25/02/2009 -
Gesamtentwicklung
Das Statistische Bundesamt hat heute die Detailergebnisse der Wirtschaftsentwicklung im 4. Quartal 2008 mitgeteilt. Wie schon vorab gemeldet, kam es zu einer Schrumpfung der Wirtschaftsleistung um 2,1 % gegenüber dem 3. Quartal , was einer Jahresrate von minus 8,4 % entspricht (Abb. 14510), dem stärksten jemals im wiedervereinigten Deutschland gemessenen Quartalseinbruch. Auch gegenüber dem 4. Quartal 2007 wurde ein Einbruch um 1,6 % verzeichnet (Abb. 14003).


Eine Einzeldarstellung der Segmente des Bruttoinlandsprodukts zeigt nun im Abschwung immer deutlicher die Kehrseite der von der Bundesregierung immer weiter vorangetriebenen Globalisierung. Eine mit minus 0,1 % gegenüber Vorquartal (und einem Minus von 0,7 % gegenüber Vorjahr) schrumpfende Nachfrage privater Haushalte kann den in der Globalisierung hochgefahrenen und jetzt mit minus 7,3 % abstürzenden Export nicht mehr ausgleichen, zumal im negativen Exportsog auch die Ausrüstungsinvestitionen auf minus 4,9 % schalteten (Abb. 14520). Dabei ist die Stagnation des privaten Verbrauchs eine unvermeidbare Konsequenz der real negativen Entwicklung der Arbeitseinkommen.

Die wesentlichen Ergebnisse im Vergleich zum 3. Quartal 2007 sind in Abb. 04305 zusammengestellt. Dabei fällt auf, wie als Folge der Krise einerseits die Sparquote hochgeschossen ist und andererseits die Unternehmens- und Vermögenseinkommen abgestürzt sind. Die mittelfristige Entwicklung nach Quartalen ist in Abb. 04004 aufgezeigt.


Zu beachten auch, daß ohne den durch die Absatzflaute bedingten Lageraufbau die deutsche Wirtschaftsleistung im 4. Quartal auf Jahresrate gerechnet nicht um 8,4 % sondern 10,4 % geschrumpft wäre. Doch den Lageraufbau kann die deutsche Industrie nicht beliebig fortsetzen.
Der EU-Vergleich zum Vorquartal rangiert Deutschland in der drittletzten Position am Ende des internationalen Feldes (Abb. 13511).

Es folgt eine kurze Analyse in logischer Abfolge:
1. Negative Entwicklung der realen Arbeitseinkommen
Die Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer stagnierten im Vorjahresvergleich nach Abzug der Entwicklung der Verbraucherpreise bei 0,5 % (Abb. 04305, oben).
Über den ganzen Zeitraum seit dem 1. Quartal 2000 sind die Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer real um 4,6 % gesunken, während die Unternehmens- und Vermögenseinkommen (nach Abzug der BIP-Inflation zu 80 % und der Verbraucherpreisinflation zu 20 %) um 36,5 % expandiert sind (Abb. 04054).

Der Anteil der Arbeitnehmerentgelte am deutschen Volkseinkommen ist erstmals wieder deutlich gestiegen, aber nur weil die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen in der Krise besonders leiden (Abb. 04797).

Die Arbeitseinkommen haben sich über die vergangenen acht Jahre nirgends in der Alt-EU so schlecht wie in Deutschland entwickelt (Abb. 12990).

Der Produktivität je Erwerbstätigenstunde ging zurück, was bei so viel Unterauslastung, Kurzarbeit und Investitionsrückgang kein Wunder ist (Abb. 04730).

2. Schlechte Entwicklung der Verbraucherkonjunktur
Besonders enttäuschend entwickelten sich die Konsumausgaben der privaten Haushalte. Sie gingen um 0,7 % gegenüber Vorjahr zurück. Der Trend der Quartalswerte seit dem Jahr 2000 ist negativ (Abb. 14010).

Die anhaltend schlechte Verbraucherkonjunktur spiegelt sich in der schwachen Entwicklung der Einzelhandelsumsätze. Der längerfristig negative Trend hält an (Abb. 04943). Unter schwacher Verbrauchernachfrage leidet der Automobilmarkt besonders (Abb. 14061). Nicht überraschend fällt mit der Zurückhaltung bei den Ausgaben privater Haushalte das Bauvolumen (Abb. 04925).


Unsere EU-Partner zeigen da ein ganz anderes Bild (Abb. 12998, 12922).


3. Investitionstätigkeit
Die Bruttoanlageninvestitionen gingen gegenüber dem Vorquartal zurück, wobei die wichtigen Ausrüstungsinvestitionen um 2,9 % gefallen sind. Angesichts der hohen Sparleistung der Volkswirtschaft liegt die Differenz zwischen Sparen und Netto-Investieren weiterhin sehr hoch (Abb. 04583). Die Bundesbank sprach deshalb schon von einer „Unterinvestition" in Deutschland. Dahinter verbirgt sich die Abzweigung von Kapital aus der Kaufkraft in Auslandsinvestitionen und pure Finanzanlagen der Unternehmen und Besserdiener.

4. Außenhandel
Deutschlands Volkswirtschaft hat sich über die letzten Jahre immer abhängiger vom Export gemacht, was sich angesichts der globalen Konjunkturabschwächung nun mit einem Rückgang von 7,3 % gegenüber Vorquartal bitter rächte und weiter rächen wird.
5. Aussichten
Die Aussichten sind schlecht. Ein Ende der Rezession ist nicht in Sicht. Mit steigender Arbeitslosigkeit wird wahrscheinlich die Nachfrage privater Haushalte weiter zurückgehen und die Rezession verschärfen. Das Konjunkturpaket wurde viel zu spät beschlossen, ist zu gering und wird frühestens im 2. Halbjahr etwas Entlastung bringen.
Auch der renomierte Markit Deutschland Composite Index Produktion sackt immer schneller ab und notierte im Februar auf dem tiefsten Wert seit Beginn der Datenerhebung im Januar 1998 (Abb. 14613).

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