Das Statistische Bundesamt hatte das Jahresergebnis 2007 der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung mit der stolzen Überschrift "Deutsche Wirtschaft im Jahr 2007 mit robustem Wachstum" veröffentlicht. Das war, wie jetzt die Detailwerte zeigen, mal wieder viel Propaganda, zu der sich ein solches Amt nicht hergeben sollte. Denn, was da robustes Wachstum sein soll, ist allenfalls noch im ersten Quartal mit einer Zuwachsrate von 3,73 % gegenüber Vorjahr zusammengekommen. Seitdem hat sich das Wachstum bis auf 1.75 % von Quartal zu Quartal abgeschwächt. (Abb. 14003).

Dabei ist das Jahr 2007 noch künstlich geschönt worden. Als Wachstumstreiber erwiesen sich nämlich die Ausrüstungsinvestitionen, die 36 % zur Wachstumsrate beitrugen (Abb. 04029 unten). Die Unternehmen investierten in Maschinen, Anlagen und Fahrzeuge 8,4% mehr als im Jahr zuvor. Allerdings sind viele der Investitionen auf 2007 vorgezogen worden, da sich nun in 2008 mit der Steuerreform die Abschreibungsmöglichkeiten verschlechtert haben.
Die wesentlichen Ergebnisse im Vergleich zum 2. Quartal 2006 sind in Abb. 04305 zusammengestellt. Die mittelfristige Entwicklung nach Quartalen ist in Abb. 04004 aufgezeigt.


Um den Trend der Wirtschaftsentwicklung über die vergangenen sieben Jahre herauszuarbeiten, sind in Abb. 04939 die Quartalswerte auf gleitender 4-Quartals-Basis dargestellt, was die Ausschläge der Quartalswerte beruhigt und auch bei den Einkommenskurven eine saisonale Bereinigung schafft. Dabei zeigt sich sehr deutlich, daß eine Aufwärts-Dynamik nur bei den Unternehmens- und Vermögenseinkommen sowie, damit zusammenhängend, der gestiegenen Sparquote festzustellen ist. Die anderen Werte, nämlich Nettolöhne und -gehälter, Konsum privater Haushalte und Bruttoanlageninvestitionen verharren um den Wert des Jahres 2000 (die Nettolöhne und -gehälter sogar deutlich darunter).

Im EU-Vergleich landet das angebliche robuste deutsche Wachstum weit abgeschlagen nur gegen Ende des Vergleichsfeldes und unterhalb des Durchschnittes der Alt-EU (Abb. 12914).

Es folgt eine kurze Analyse in logischer Abfolge:
Die Nettolöhne und -gehälter gingen im Vorjahresvergleich nach Abzug der Entwicklung der Verbraucherpreise um 0,1 und je Arbeitnehmer sogar um 1,7 % zurück (Abb. 04054). Über den ganzen Zeitraum seit dem 4. Quartal 2000 sind die Nettolöhne und -gehälter um 4 % gesunken, während die Unternehmes- und Vermögenseinkommen nach Abzug der BIP-Inflation um 51 % expandiert sind.

Der Anteil der Arbeitnehmerentgelte am deutschen Volkseinkommen hat gegenüber dem Vorjahr weiter abgenommen und läuft nun schon seit 2000, d.h. im siebten Jahr, zurück (Abb. 04797); dies läßt sich auch an der längerfristigen Entwicklung ablesen (Abb. 14007).


Die Arbeitseinkommen haben sich schon in den vergangenen Jahr nirgends so schlecht wie in Deutschland entwickelt (Abb. 12990).

Der Produktivitätszuwachs je Erwerbstätigenstunde hielt an (Abb. 04730), wenn auch abgeschwächt, was an den vielen neuen prekären Arbeitsverhältnissen liegen dürfte. Umso unsozialer ist dessen einseitige Verteilung an die Kapitaleigner. Die Produktivität hat über die letzten 7 Jahre schon um 14 % zugelegt, wovon die Arbeitnehmer nichts in ihren Lohntüten gesehen haben (Abb. 04728).


Selbst in der besser entlohnenden gewerblichen Wirtschaft zeigt sich für den letzten Monat Dezember das alte Bild ausgebremster Entgelte bei wesentlich höherer Produktivität. Das spricht auch für die Zunahme der Beschäftigung durch schlecht bezahlte und zeitlich befristete Jobs (Abb. 04009). Bereinigt um die Kaufpreisentwicklung ging Entgelt pro Arbeitsstunde um 1,3 % zurück. Die Sozialleistungen, Renten (bis auf eine minimale Erhöhung), Beamtenbezüge und Versorgungsgelder des öffentlichen Dienstes stagnieren nominal ohnehin weiter und verzeichnen real die Auszehrung durch eine Inflationsrate.

Nicht überraschend nehmen in dieser Situation die Verbraucherinsolvenzen in Deutschland zu, auch wenn sie im September etwas zurückgegangen sind (Abb. 04028).

Besonders enttäuschend entwickelten sich die Konsumausgaben der privaten Haushalte. Sie gingen um 1,6 % zurück und versprechen damit auch wenig Zuwachs für 2008. Der Trend der Quartalswerte seit dem Jahr 2000 ist negativ (Abb. 14010). Unter schwacher Verbrauchernachfrage litt auch der Automobilmarkt (Abb. 14061).


Das Volumen der Baugenehmigungen im Wohnbau ist weiter gefallen. So war es 2007 fast ein Drittel weniger als im Vorjahr (Abb. 04925).

Die anhaltend schlechte Verbraucherkonjunktur spiegelt sich in der schwachen Entwicklung der Einzelhandelsumsätze. Der längerfristig negative Trend hält an (Abb. 04943). Unsere EU-Partner zeigen da ein ganz anderes Bild (Abb. 12922).



Die Bruttoanlageninvestitionen sind wieder angestiegen, liegen aber in gleitenden 4-Quartals-Schritten immer noch kaum über dem Niveau zu Beginn des Jahres 2000 (Abb. 04029). Allerdings ist dieser Schub zum größten Teil auf den Lageraufbau zurückzuführen.

Hinzu kommt noch, daß die Investitionen in diesem Jahr z.T. vorgezogene sind, da sich im nächsten Jahr mit der Steuerreform die Abschreibungsmöglichkeiten verschlechtern. Wir erleben gerade eine ähnliche Entwicklung bei der MWSt. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hat errechnet, wer in diesem Jahr eine Million Euro investiert, kommt um 90.000 Euro besser weg als bei einer gleich großen Investition im Jahr 2008. Das ist seiner Meinung nach „mit ein Grund für den derzeitigen Boom". Es spräche einiges dafür, daß die Investitionen im kommenden Jahr an Dynamik verlören.
Deutschlands Volkswirtschaft hat sich dabei über die letzten Jahre immer abhängiger vom Export gemacht, was sich angesichts der Konjuntkurabschwächung, vor allem auf den beiden wichtigsten Absatzmärkten USA und Frankreich, schnell rächen kann. Abb. 04940 verdeutlicht, wie die deutsche Wirtschaft zuletzt fast nur noch über den Aussenbeitrag wächst.

Fazit
Die Entwicklung im 4. Quartal hat angesichts der dunklen Wolken am weltwirtschaftlichen Horizont nur die Qualität eines Blicks in den Rückspiegel. Es ist
keine gute Ausgangslage, falls der Strum losbrechen sollte:
» einer immer ungleichere Verteilung der Einkommen,
» eine enorme Abhängigkeit von dem immer unsicher werdenden Export,
» eine schon rückläufige Verbraucherkonjunktur,
» viele im internationalen Vergleich negative Daten.
Wieder wird in der Presse sehr unsauber oder tendenziös berichtet. So
setzt zwar die FAZ die Schlagzeile: „Schwacher Konsum bremst deutsche Wirtschaft aus", doch dann wird im gleichen Artikel die Unterüberschrift gebracht „Zum fünften Mal in Folge
Exportweltmeister" und dann auch noch „40,3 Millionen Erwerbstätige - 1,6 Prozent mehr als 2006". So kann man ein ziemlich mieses Ergebnis zu versüßen versuchen. Andere
online-Medien der großen Tageszeitungen bringen da lieber gleich gar nichts oder stellen lieber die ifo-Umfrage in Rosabeleuchtung ins Schaufenster. Nun ist allerdings der ifo-Klimaindex nur um
magerste 0,7 Punkte gestiegen und liegt weit unter den Werten von Mitte letzten Jahres und dabei sind die Geschäftserwartungen sogar weiter gefallen.