Von http://www.jjahnke.net/rundbr14.html, Version 31.08.06

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global news 427 01-09-06: Wo bleibt die angebliche Wende? Saisonal bereinigt wieder mehr Arbeitslose, Einzelhandelsumsatz sinkt um 1,5 %

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Saisonbereinigt ist die Zahl der Arbeitslosen im August gegenüber Juli nicht weiter zurückgegangen, sondern um 5.000 leicht gestiegen. Die Bundesagentur findet natürlich prompt eine positive Erklärung: " .. daß sich die Zahl im August saisonbereinigt geringfügig erhöht hat, dürfte auf Verschiebungen im Saisonmuster beruhen" und spricht dennoch von einer günstigen Entwicklung des Arbeitsmarktes. Ebenso Bundesarbeitsminister Franz Müntefering: "Der positive Trend am Arbeitsmarkt verfestigt sich, er gibt weiter Grund zu Zuversicht." Wie unsicher und widersprüchlich die Medien in ihren Schlagzeilen derzeit sind, zeigt der Vergleich von FTD: "Arbeitslosenzahl steigt leicht" und andererseits SPIEGEL/WELT/Handelsblatt: "Arbeitslosenzahl sinkt nur leicht" oder SZ: "Enttäuschung am Arbeitsmarkt"; die FR liegt mit "Kaum Bewegung am Arbeitsmarkt" neutral dazwischen.

Wo sollte denn auch eine positive Bewegung herkommen, wenn die Verunsicherungskampagne mit neuen Streichforderungen aus der Politik anhält, die Arbeitnehmereinkommen real weiter im Rückwärtsgang sind, der Einzelhandelsumsatz schon wieder zurückgeht (siehe unten), die Eintrübung von der unsozialen und falsch terminierten MWSt-Erhöhung vor der Tür steht sowie schließlich dunkle Wolken in der Weltwirtschaft hochziehen und alle umfragebasierenden Vorrausindikatoren auf Abschwung geschaltet haben (wie OECD, Gesellschaft für Konsumforschung, Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung und Ifo)? Wann endlich steuert die Politik den richtigen Kurs dagegen?

Saisonal bereinigt stieg die Zahl der Arbeitslosen im August gegenüber Juli um 5.000. Während in Westdeutschland die Arbeitslosenzahl um 22.000 zurückging, stieg sie in Ostdeutschland um 27.000. Ohne saisonaler Bereinigung hat die Zahl der Arbeitslosen im August im Vorjahresvergleich um 8,9 % abgenommen, wobei der Juli-Rückgang noch bei 9,3 % gelegen hatte (Abb. 04037).


Allerdings hat das Bild immer noch viele dunkle Schatten. So ist die deutsche Arbeitslosenquote immer noch eine der höchsten vergleichbarer Länder (Abb. 04068). Die Quote der Lanzeitarbeitslosen ist sogar bei weitem die höchste (Abb. 04022). Das liegt nicht zuletzt an der besonderen deutschen Lohndrückerei mit der Folge mangelnder Massenkaufkraft und darum stagnierender Nachfrage der privaten Haushalte und davon abgeleitet einer sehr ungünstigen Investitionsentwicklung - ein im Rundbrief 424 mit internationalem Vergleich dargestellter Teufelskreislauf.



Hier noch ein Blick auf die erhebliche Unterentwicklung der deutschen Arbeitnehmereinkommen im Vergleich zur EU (Abb. 12215). Abb. 12216 zeigt ergänzend den im Vergleich sehr auffälligen Rückgang des Anteils der deutschen Arbeitnehmereinkommen am Bruttoinlandsprodukt.



Die Zahl der der versicherungspflichtig Beschäftigten stagiert im Vorjahresvergleich bei +0,5 %, und das sind immer noch 180.000 weniger als vor zwei Jahren (Abb. 04008).


Die Zahl der älteren Arbeitslosen über 50 Jahre ist nur unterdurchschnittlich um 6,1 % zurückgegangen (Abb. 04168).


Vor allem liegt die Zahl der Langzeitarbeitslosen mit 42,5 % aller Arbeitslosen oder rund 1,9 Millionen immer noch um 7 % über dem Vorjahreswert, wobei diese Daten aus dem IT-Vermittlungssystem der BA hochgerechnet werden müssen (Abb. 04033).


292.000 Menschen befinden sich in so genannten Arbeitsgelegenheiten oder 1-Euro-Jobs, die die Arbeitslosenstatistik künstlich niedriger halten. Deren Zahl war nach der letzten amtlichen Angabe im Juli fast 26 % höher als vor einem Jahr, so daß der echte Abbau an Arbeitslosigkeit gegenüber Vorjahr von 426.000 auf wenig mehr als 1/3 dieses Wertes zusammenschrumpft, was kaum als großer Erfolg gefeiert werden kann (Abb. 04568).


Ebenfalls heute hat das Statistische Bundesamt die Werte des Einzelhandelsumsatzes im Juli bekannt gegeben. Wie schon vor wenigen Tagen aus dem Konsumklima-Index der Gesellschaft für Konsumforschung erkennbar, bestimmen vorgezogene Einkäufe auf der Flucht vor der MWSt-Erhöhung das Bild. Dennoch sank der Einzelhandelsumsatz im Juli 2006 real sowie saison- und kalenderbereinigt um 1,5 % gegenüber Juni 2006 und fiel damit nach einer kurzen Aufstiegsphase im 2. Quartal wieder auf das Niveau des Vorjahres Juli zurück (Abb. 04214).


Für den gesamten Zeitraum Januar bis Juli 2006 kam es zu einer minimalen Steigerungsrate von nur 0,8 % gegenüber Vorjahr, wobei die Lebensmittel um 0,7 % absackten und die Nicht-Lebensmittel um 1,7 % anstiegen, was eindeutig auf die Angst vor der MWSt-Erhöhung hinweist. Bei dem enttäuschenden Ergebnis ist noch zu berücksichtigen, daß die Zuwachsrate des 1. Halbjahres gegenüber Vorjahr eine der niedrigsten unter den vergleichbaren EU-Ländern war (Abb. 12191).