1. Gesamtentwicklung
Das Statistische Bundesamt hat heute die Detailergebnisse der Wirtschaftsentwicklung im 3. Quartal 2009 mitgeteilt. Wie schon vorab gemeldet ergab sich kalenderbereinigt ein Minus gegenüber dem Vorjahreswert von 4,8 % und ein leichtes Plus von 0,7 % gegenüber dem Vormonat (Abb. 14744, 14003). Dabei spielt allerdings auch das angewandte Bereinigungsverfahren eine Rolle. Hätte das StaBuA mit dem „BV4.1" Verfahren (oder Berliner Verfahren) gerechnet, das in der Vergangenheit meist näher am späteren Endergebnis lag, so wäre ein Minus von 0,7 % herausgekommen.


Gestützt wurde die Wirtschaftsentwicklung im dritten Quartal 2009 von den Investitionen: In Bauten wurde um 1,5% mehr investiert als im Vorquartal, in Ausrüstungen um 0,8%. Die Ausrüstungsinvestitionen scheinen sich nach dem Einbruch im ersten Vierteljahr 2009 (- 18,5% gegenüber dem vierten Quartal 2008) auf einem niedrigeren Niveau zu stabilisieren. Auch hat der relativ starke Exportanstieg von etwa 4,9 % gegenüber Vorquartal das Quartalsergebnis im Vorquartalvergleich nach oben gezogen, ist aber vor dem Hintergrund eines besonders starken Exporteinbruchs eine eher normale Entwicklung. Außerdem kam es zu einem starken Aufbau von Lagerbeständen, was nach der dem starken Lagerabbau im Vorquartal eine normale Entwicklung ist und auch der normalen Entwicklung nach der Sommerpause entspricht, also wenig für die Zukunft aussagt.
Nettolöhne- und gehälter fielen im Vorjahresvergleich fast um 2 %. So gingen entgegen allen überoptimistischen Vorraussagen und trotz Abwrackprämie die privaten Konsumausgaben im Vorquartalsvergleich zurück und bremsten das Wirtschaftswachstum. Mit wachsender Arbeitslosigkeit wird sich die Konsumschwäche eher noch verstärken. Dagegen stiegen die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen sehr kräftig und glichen einen erheblichen Teil des Einbruchs in den Vorquartalen aus.
Es zeigt sich nun immer deutlicher die Kehrseite der von der Bundesregierung ständig weiter vorangetriebenen Globalisierung. Eine gegenüber dem Vorjahresquartal um 1,7 % schrumpfende inländische Verwendung des Bruttoinlandsprodukts (Abb. 14755) kann den in der Globalisierung hochgefahrenen und im September immer noch bei minus 19 % gegenüber Vorjahr siechenden Export (Abb. 14631) nicht ausgleichen. Auch die Konsumausgaben des Staates konnten das Gesamtergebnis nur um 0,4 Prozentpunkte aufbessern.


Die wesentlichen Ergebnisse im Vergleich zum 3. Quartal 2008 und zum Vorquartal sind in Abb. 04305 und 14818 zusammengestellt. Die mittelfristige Entwicklung nach Quartalen ist in Abb. 04004 aufgezeigt. Dabei fällt auf, wie stark sich die Unternehmens- und Vermögenseinkommen im gegenüber dem Vorquartal erholt haben. Es folgt eine kurze Analyse in logischer Abfolge:



2. Weiter negative Entwicklung der Einkommen
Durch den Gewinneinbruch bei den Unternehmen gingen die Unternehmens- und Vermögenseinkommen 9,3 % gegenüber Vorjahresquartal zurück (nach Abzug der BIP-Inflation) erholten sich aber um 11,6 % gegenüber Vorquartal. Die Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer gingen um 1,8 % zurück und verzeichneten ein leichtes Plus von 0,9 % im Vorquartalsvergleich (nach Abzug der Entwicklung der Verbraucherpreise).
Über den ganzen Zeitraum seit dem 1. Quartal 2000 sind die Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer um 3,6 % gesunken, während die Unternehmens- und Vermögenseinkommen trotz des Einbruchs in 2009 um 25,5 % expandiert sind. Dabei ist die Absenkung der realen Arbeitseinkommen eine seit Jahren zu beobachtende Dauersituation, während der Einbruch bei den Unternehmens- und Vermögenseinkommen nur eine krisenbedingte und bereits vorübergehende Situation ist.
Der Anteil der Arbeitnehmerentgelte am deutschen Volkseinkommen ist im 3. Quartal mit dem Anstieg der Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen wieder gefallen (Abb. 04797). Der Produktivität je Erwerbstätigenstunde ging zurück, was bei so viel Unterauslastung, Kurzarbeit und Investitionsrückgang kein Wunder ist (Abb. 04730).


3. Entwicklung der Verbraucherkonjunktur
Entgegen allen überoptimistischen Vorraussagen und trotz Abwrackprämie gingen die privaten Konsumausgaben in diesem Quartal gegenüber dem Vorquartal zurück (stärker als in den Jahren zuvor bis auf das Quartal nach der MWSt-Erhöhung) und bremsten das Wirtschaftswachstum (Abb. 14010). Die anhaltend schlechte Verbraucherkonjunktur außerhalb des PKW-Bereichs spiegelt sich weiter in der schwachen Entwicklung der Einzelhandelsumsätze wider. Der längerfristig negative Trend hält an (Abb. 04943). Die staatlichen Ausgaben sind natürlich mit stark steigender Staatsverschuldung gestiegen.


4. Investitionstätigkeit
Die Bruttoanlageninvestitionen haben sich im 3. Quartal um 1,3 % gegenüber Vorquartal erhöht, lagen aber weiter um 7,8 % tief unter dem Vorjahreswert. Dieser Rückgang ist in erster Linie auf einen massiven Einbruch der realen Ausrüstungsinvestitionen zurückzuführen, die bereits das dritte Quartal in Folge um etwa ein Fünftel unter ihrem Vorjahresniveau lagen. Im Berichtsquartal wurde um 20,8% weniger in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge investiert als im dritten Quartal 2008 (Abb. 14754). Angesichts der hohen Sparleistung der Volkswirtschaft liegt die Differenz zwischen Sparen und Netto-Investieren immer noch sehr hoch (Abb. 04583). Die Bundesbank sprach deshalb schon vor Jahren von einer „Unterinvestition" in Deutschland. Diese Entwicklung muß sich negativ auf den Arbeitsmarkt auswirken.


5. Internationaler Vergleich
Im Vergleich mit anderen Ländern sieht die deutsche Entwicklung gegenüber 3. Quartal 2008 nicht gut aus. Unter den Ländern, die bereits das 3. Quartal gemeldet haben, liegt Deutschland im Vorjahresvergleich auf dem vorletzten Platz (Abb. 13511).

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