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Von http://www.jjahnke.net/3quartal08.html, Version 26.11.08

Gesamtentwicklung

Das Statistische Bundesamt hat heute die Detailergebnisse der Wirtschaftsentwicklung im 3. Quartal 2008 mitgeteilt. Wie schon vorab gemeldet, kam es zu einer Schrumpfung der Wirtschaftsleistung um mehr als 0.5 % gegenüber dem 2. Quartal , was einer Jahresrate von minus 2,1 % entspricht (Abb. 14510), dem stärksten Quartalseinbruch seit mehr als 12 Jahren. Gegenüber dem 2. Quartal 2007 wurde noch ein bescheidener Zuwachs von 0,77 % verzeichnet; seit dem ersten Quartal 2007 hat sich das Wachstum im Vorjahresvergleich damit schon stark abgeschwächt (Abb. 14003).



Eine Einzeldarstellung der Segmente des Bruttoinlandsprodukts zeigt nun im Abschwung immer deutlicher die Kehrseite der von der Bundesregierung immer weiter vorangetriebenen Globalisierung. Eine bei einem sehr knappen Plus von 0,26 % gegenüber Vorquartal (und einem Minus von 0,8 % gegenüber Vorjahr) stagnierende Nachfrage privater Haushalte kann den in der Globalisierung hochgefahrenen und jetzt mit minus 0,4 % abstürzenden Export nicht mehr ausgleichen, zumal im negativen Exportsog auch die Ausrüstungsinvestitionen auf minus 0,5 % schalteten (Abb. 14520). Dabei ist die Stagnation des privaten Verbrauchs eine unvermeidbare Konsequenz der real negativen Entwicklung der Arbeitseinkommen.


Die wesentlichen Ergebnisse im Vergleich zum 3. Quartal 2007 sind in Abb. 04305 zusammengestellt. Die mittelfristige Entwicklung nach Quartalen ist in Abb. 04004 aufgezeigt.


Der EU-Vergleich zum Vorquartal rangiert Deutschland so ziemlich am Ende des internationalen Feldes (Abb. 13511).


Es folgt eine kurze Analyse in logischer Abfolge:

1. Negative Entwicklung der realen Einkommen

Die Nettolöhne und -gehälter stagnierten im Vorjahresvergleich nach Abzug der Entwicklung der Verbraucherpreise bei 0,8 % und gingen je Arbeitnehmer sogar um 1,2 % zurück (Abb. 04305, oben).

Über den ganzen Zeitraum seit dem 1. Quartal 2000 sind die Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer um 5,1 % gesunken, während die Unternehmens- und Vermögenseinkommen (nach Abzug der BIP-Inflation zu 80 % und der Verbraucherpreisinflation zu 20 %) um 40 % expandiert sind (Abb. 04054).


Der Anteil der Arbeitnehmerentgelte am deutschen Volkseinkommen stagniert gegenüber dem Vorjahr auf abgesenktem Niveau und läuft nun schon seit 2000 zurück (Abb. 04797); dies läßt sich auch an der längerfristigen Entwicklung ablesen (Abb. 14007).



Dabei ist die Lohnkluft zwischen den unteren und oberen Lohngruppen in den vergangenen Jahren immer größer geworden, wie eine heute veröffentlichte Studie der Universität Duisburg-Essen drastisch vorführt (Abb. 14521).


Die Arbeitseinkommen haben sich über die vergangenen acht Jahre nirgends in der Alt-EU so schlecht wie in Deutschland entwickelt (Abb. 12990).


Der Produktivitäts je Erwerbstätigenstunde ging leicht zurück (Abb. 04730), hat jedoch seit 2000 um mehr als 9 % zugenommen, wovon die Arbeitnehmer nichts in ihren Lohntüten gesehen haben (Abb. 04728).



Selbst in der besser entlohnenden gewerblichen Wirtschaft zeigt sich für die drei Quartale 2008 das alte Bild ausgebremster Entgelte bei wesentlich höherer Produktivität. Das spricht auch für die Zunahme der Beschäftigung durch schlecht bezahlte und zeitlich befristete Jobs (Abb. 04009, 14047). Bereinigt um die Kaufpreisentwicklung ging Entgelt pro Beschäftigten um 1,0 % zurück. Die Sozialleistungen und Renten (bis auf minimale Erhöhungen) stagnieren nominal ohnehin weiter und verzeichnen real erhebliche Auszehrung durch die hohe Inflationsrate (Abb. 14107).




2. Schlechte Entwicklung der Verbraucherkonjunktur

Besonders enttäuschend entwickelten sich die Konsumausgaben der privaten Haushalte. Sie gingen um 0,9 % gegenüber Vorjahr zurück. Der Trend der Quartalswerte seit dem Jahr 2000 ist negativ (Abb. 14010).


Die anhaltend schlechte Verbraucherkonjunktur spiegelt sich in der schwachen Entwicklung der Einzelhandelsumsätze. Der längerfristig negative Trend hält an (Abb. 04943). Unter schwacher Verbrauchernachfrage leidet der Automobilmarkt (Abb. 14061). Nicht überraschend fällt mit der Zurückhaltung bei den Ausgaben privater Haushalte das Bauvolumen (Abb. 04925).




Unsere EU-Partner zeigen da ein ganz anderes Bild (Abb. 12998, 12922).



Der Erwartungshorizont der Verbraucher ist nach Umfragen der Gesellschaft für Konsumforschung im November auf den tiefsten Stand seit Beginn der gesamtdeutschen Erhebungen im Jahre 1991 gefallen (Abb. 04917).


3. Investitionstätigkeit

Die Bruttoanlageninvestitionen stagnieren gegenüber dem Vorquartal, wobei die wichtigen Ausrüstungsinvestitionen um 0,5 % gefallen sind. Angesichts der hohen Sparleistung der Volkswirtschaft liegt die Differenz zwischen Sparen und Netto-Investieren weiterhin sehr hoch (Abb. 04583). Die Bundesbank sprach deshalb schon von einer „Unterinvestition" in Deutschland. Dahinter verbirgt sich die Abzweigung von Kapital aus der Kaufkraft in Auslandsinvestitionen und pure Finanzanlagen der Unternehmen und Besserdiener. Eigentlich sollte bei der relativ hohen deutschen Sparquote, den bisher relativ guten Unternehmensgewinnen und den erheblichen Verbesserungen in der Unternehmensbesteuerung eine viel höhere Investitionstätigkeit mit entsprechenden Effekten für den Arbeitsmarkt zu erwarten sein.


4. Außenhandel

Deutschlands Volkswirtschaft hat sich über die letzten Jahre immer abhängiger vom Export gemacht, was sich angesichts der globalen Konjunkturabschwächung, vor allem auf den beiden wichtigsten Absatzmärkten USA und Frankreich, nun rächt.

5. Aussichten

Angesichts der auch im vierten Quartal bisher zu verzeichnenden Abwärtsentwicklung in der gewerblichen Wirtschaft, im Einzelhandel, bei den PKW-Zulassungen und am Bau wird sich die negative Entwicklung für den Rest des Jahres und erheblich verstärkt im kommenden Jahr fortsetzen.

In ihrer halbjährlichen Wirtschaftsprognose erwartet die OECD, daß die Arbeitslosigkeit in Deutschland bis 2010 um 700.000 Menschen ansteigen wird. Sie sieht Deutschland im kommenden Jahr in einer tiefen Rezession. Die deutsche Ökonomie werde insbesondere durch die starke Abhängigkeit seiner Wirtschaft von Exporten "hart getroffen" und deshalb 2009 um 0,9 Prozent schrumpfen.

Auch der renomierte Markit Deutschland Composite Index Produktion sackt immer schneller ab und notierte im November auf dem tiefsten Wert seit Beginn der Datenerhebung im Januar 1998. Der Index zeichnet ziemlich genau die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts vor und deutet jetzt auf ein Minus von 2 % und mehr hin (Abb. 14583).