Das Statistische Bundesamt hat heute die Detailergebnisse der Wirtschaftsentwicklung im 1. Quartal 2009 mitgeteilt. Wie schon vorab gemeldet, kam es zu einer Schrumpfung der Wirtschaftsleistung um 3,8 % gegenüber dem 4. Quartal 2009, was einer Jahresrate von minus 15,2 % entspricht (Abb. 14510), dem stärksten jemals im wiedervereinigten Deutschland gemessenen Quartalseinbruch. Auch gegenüber dem 1. Quartal 2008 wurde ein Einbruch um 6,7 % verzeichnet (Abb. 14003).


Eine Einzeldarstellung der Segmente des Bruttoinlandsprodukts zeigt nun im Abschwung immer deutlicher die Kehrseite der von der Bundesregierung immer weiter vorangetriebenen Globalisierung. Eine mit minus 0,1 % gegenüber Vorjahresquartal schrumpfende Nachfrage privater Haushalte kann den in der Globalisierung hochgefahrenen und jetzt mit minus 17,2 % abstürzenden Export nicht mehr ausgleichen, zumal auch die Ausrüstungsinvestitionen auf minus 18,6 % schalteten (Abb. 14677). Dabei ist die Stagnation des privaten Verbrauchs eine unvermeidbare Konsequenz der real negativen Entwicklung der Arbeitseinkommen. Die leichte Steigerung der Konsumausgaben des Staates konnte das Gesamtergebnis nur um 0,2 Prozentpunkte aufbessern.

Die wesentlichen Ergebnisse im Vergleich zum 1. Quartal 2008 sind in Abb. 04305 zusammengestellt. Dabei fällt auf, wie als Folge der Krise einerseits die Sparquote hochgeschossen ist und andererseits die Unternehmens- und Vermögenseinkommen abgestürzt sind. Die mittelfristige Entwicklung nach Quartalen ist in Abb. 04004 aufgezeigt.


Es folgt eine kurze Analyse in logischer Abfolge:
Die Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer gingen im Vorjahresvergleich nach Abzug der Entwicklung der Verbraucherpreise um 2,3 % zurück. Über den ganzen Zeitraum seit dem 1. Quartal 2000 sind die Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer real um 6,2 % gesunken, während die Unternehmens- und Vermögenseinkommen (nach Abzug der BIP-Inflation) trotz des starken Einbruchs im 1. Quartal 2009 um 8,2 % expandiert sind. Dabei ist die Absenkung der realen Arbeitseinkommen eine seit Jahren zu beobachtende Dauersituation, während der Einbruch bei den Unternehmens- und Vermögenseinkommen nur eine krisenbedingte vorübergehende Situation sein wird.
Der Anteil der Arbeitnehmerentgelte am deutschen Volkseinkommen ist weiter deutlich gestiegen, aber nur weil die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen in der Krise besonders leiden (Abb. 04797).

Der Produktivität je Erwerbstätigenstunde ging zurück, was bei so viel Unterauslastung, Kurzarbeit und Investitionsrückgang kein Wunder ist (Abb. 04730).

Besonders enttäuschend entwickelten sich weiter die Konsumausgaben der privaten Haushalte. Sie gingen um 0,1 % gegenüber Vorjahr zurück. Der Trend der Quartalswerte seit dem Jahr 2000 ist negativ (Abb. 14010).

Auch die neueste Verbraucherumfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zeigt sehr deutlich die Zurückhaltung der privaten Verbraucher (Abb. 04711, 04917). Das Konsumklima will nicht aus dem Keller kommen. Da wirkt es schon recht komisch, wenn die GfK in ihrer heutigen Pressemitteilung das mit der Überschrift „Konsumklima bleibt in der Krise konstant" ins Positive zu wenden versucht. Erst recht unwirklich ist eine Betrachtung der FT Deutschland: „Jahrelang steckten die deutschen Verbraucher ihr Geld lieber in den Sparstrumpf als in neue Kleidung, Elektro-Artikel oder Autos. Jetzt, mitten in der Rezession, kaufen sie ein wie wild. "Konsumkarneval" nennen Forscher das Phänomen."


Die anhaltend schlechte Verbraucherkonjunktur spiegelt sich weiter in der schwachen Entwicklung der Einzelhandelsumsätze wider. Der längerfristig negative Trend hält an (Abb. 04943).

Die Bruttoanlageninvestitionen gingen gegenüber dem Vorjahresquartal um 11,2 % zurück, wobei die wichtigen Ausrüstungsinvestitionen um 18,6 % besonders stark gefallen sind. Angesichts der hohen Sparleistung der Volkswirtschaft liegt die Differenz zwischen Sparen und Netto-Investieren weiterhin sehr hoch (Abb. 04583). Die Bundesbank sprach deshalb schon von einer „Unterinvestition" in Deutschland. Dahinter verbirgt sich die Abzweigung von Kapital aus der Kaufkraft in Auslandsinvestitionen und pure Finanzanlagen der Unternehmen und Besserdiener.

Deutschlands Volkswirtschaft hat sich über die letzten Jahre immer abhängiger vom Export gemacht, was sich angesichts der globalen Konjunkturabschwächung nun mit einem Rückgang von 17,2 % gegenüber Vorquartal bitter rächte und weiter rächen wird.
Beim EU-Vergleich zum Vorquartal rangiert Deutschland in der drittletzten Position am Ende des internationalen Feldes (Abb. 13511).

Die Aussichten sind weiterhin bedrückend, auch wenn sich der Abstieg nun offensichtlich verlangsamt. Mit steigender Arbeitslosigkeit wird jedoch die Nachfrage privater Haushalte weiter zurückgehen. Das Konjunkturpaket wurde viel zu spät beschlossen, ist zu gering und wird frühestens im 2. Halbjahr einige Entlastung bringen. Die Einschätzung der eigenen Lage durch die deutschen Unternehmen ist nach der ifo-Umfrage für Mai auf einen neuen Tiefstpunkt gefallen (Abb. 04731).
