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In der nächsten Phase des Infoportals erscheinen die Rundbriefe weiter hier und wird ein Teil des Datenmaterials aktualisiert. Daneben gibt es jetzt eine Sonderseite mit Unterseiten und vielen zusätzlichen brandaktuellen Informationen für angemeldete Besucher (zur Anmeldung und den Vorraussetzungen weiter hier)
Neuester Rundbrief: Von der besonderen Brutalität der deutschen Arbeitswelt
Der gestrige Bericht der OECD „Beschäftigungs-Ausblick 2008" ist wieder, was Deutschland angeht, deprimierender Lesestoff. Nun wissen wir schon aus anderen Quellen, daß es um die deutsche Arbeitsumwelt nicht zum Besten bestellt ist. Weiter hier.
Neuester Rundbrief: Die Neoliberalen haben uns gründlich ruiniert
Nach dem Fall der Berliner Mauer in 1989 und wenig später des übrigen kommunistischen Gegenmodells haben die Neoliberalen eine widerstandslose Weltherrschaft angetreten. Weiter hier.
Neuester Rundbrief: Kehrtwende am Arbeitsmarkt? Der Beschäftigungsaufbau stagniert
Je weniger günstig die Entwicklung am Arbeitsmarkt desto gewaltiger die Schönfärbung. Da stagniert die Beschäftigungsentwicklung und verliert der Abbau an Arbeitslosigkeit immer mehr an Fahrt, und sofort werden solche Zeichen in den knalligen Überschriften der Medien und der Bundesregierung unterschlagen. Weiter hier.
und hier neueste Schwerpunkte:
Gedanken zur Zeit täglich mehrmals auf der Sonderseite
(und hier zur Anmeldung), zum Archiv bis 27.6. hier
> heute 980: "Wie kann man mit 0,25 % Zinserhöhung eine Inflation von 4 % bei einer Ölpreissteigerung von 172 % aufhalten?",
> 979: "Neues aus dem Tollhaus der Finanzmärkte",
> 978: "BILD-Märchen vom deutschen „Job-Wunder"",
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global news 1143 03-07-08:
Von der besonderen Brutalität der deutschen Arbeitswelt
Der gestrige Bericht der OECD „Beschäftigungs-Ausblick 2008" ist wieder, was Deutschland angeht, deprimierender Lesestoff. Nun wissen wir schon aus anderen Quellen, daß es um die deutsche Arbeitsumwelt nicht zum Besten bestellt ist. Nach einer kürzlichen Umfrage des DGB sind nur 13 % der Arbeitnehmer mit ihrer Arbeit zufrieden, bei den prekär unter brutto 2.000 Euro Entlohnten sogar nur 9 % (Abb. 14478). Die meisten neuen Arbeitsplätze im Niedriglohn- und Leiharbeitsbereich sind Fallen, aus denen kaum ein Aufstieg möglich ist (Abb. 14471). Ein Skandal ist auch das Anwachsen der unfreiwilligen Teilzeitarbeit, die natürlich in der Statistik als volle Arbeit gewertet wird. Der Anteil der Teilzeitarbeiterinnen und Teilzeitarbeiter an allen Beschäftigten, der 1996 bei 21,6 und 2000 bei 27,2 Prozent gelegen hatte, ist auf 33,5 Prozent gestiegen. Über 70 Prozent aller teilzeitbeschäftigten Männer und rund 30 (Westdeutschland) bzw. 40 Prozent (Ostdeutschland) aller teilzeitbeschäftigten Frauen sind unfreiwillig nur in Teilzeitarbeit beschäftigt.


Nun hier Auszüge aus der neuen OECD-Statistik (ohne Osteuropa). In der Verteilung der Arbeitseinkommen liegt Deutschland bei den Ländern mit der größten Spanne: Das oberste Zehntel verdient 3,3-mal mehr als das neunte Zehntel. Nur die neoliberalen Kernländer USA, Großbritannien, Irland und Kanada sowie Spanien und Korea weisen größere Abstände auf (Abb. 13477). Schlimmer noch: Nur in Korea ist die Ungleichheit zwischen 1996 und 2006 stärker gewachsen als in Deutschland (Abb. 13476).


Der Anteil der Teilzeitbeschäftigung der Frauen ist einer der höchsten (Abb. 13478). Zur Erinnerung: rund 30 (Westdeutschland) bzw. 40 Prozent (Ostdeutschland) aller teilzeitbeschäftigten Frauen sind unfreiwillig nur in Teilzeitarbeit beschäftigt.

Nur in den Niederlanden, Italien und Portugal ist der Anteil der auf Basis von Zeitverträgen Beschäftigten stärker gewachsen als in Deutschland (Abb. 13480). Besonders unter Jugendlichen bis 24 Jahren ist der Anteil der Zeitvertragsarbeiter in Deutschland besonders stark gestiegen (Abb. 13481).


Beim Anteil der Langzeitarbeitslosen (über ein Jahr) an allen Arbeitslosen rangiert Deutschland auf dem bedrückenden allerletzten Platz (Abb. 13479).

Man kann die deutsche Arbeitswelt im Vergleich mit den anderen alten Industrieländern nur als brutal bewerten. Und da hat BILD die Stirn, in einem kürzlichen Kommentar von einem deutschen Weltklasse-Job-Wunder zu sprechen!
hr width="553" color="#000000">global news 1142 03-07-08:
Die Neoliberalen haben uns gründlich ruiniert
Nach dem Fall der Berliner Mauer in 1989 und wenig später des übrigen kommunistischen Gegenmodells haben die Neoliberalen eine widerstandslose Weltherrschaft angetreten. Auch einen „dritten Weg" gab es nicht mehr. Entsprechende Versuche waren schon in Lateinamerika blutig unterdrückt worden. Selbst das relative zahme deutsche Modell der „sozialen Marktwirtschaft" wurde mit immer mehr „Reformen" und einer neoliberalen Wirtschafts-, Sozial- und Steuerpolitik abgewrackt. Ob Kohl und sein Finanzstaatssekretär Köhler oder Schröder und der rechte SPD-Flügel oder die jetzige „Große Koalition", alle haben in Deutschland daran mitgewirkt. Die Folgen neoliberaler Politik zeigen sich fast zwanzig Jahre später in Deutschland und um den Globus herum unübersehbar.
Mit dem überstürzten Abbau eines normalen handelspolitischen Schutzes gegen unfairen Wettbewerb aus Ländern ohne soziale Mindeststandards, wie aus dem 2001 in Welthandelsorganisation aufgenommenen China, und der ebenfalls übereilten Aufnahme immer neuer Niedrigstlohnländer in die Europäische Union wurden auch die deutschen Löhne bewußt und absichtsvoll unter starken Negativdruck gesetzt. Arbeitsintensive Produktionen konnten nun relativ einfach ausgelagert werden. Die so in den alten Industrieländern verstärkte Arbeitslosigkeit wurde ebenso bewußt wie absichtsvoll in Kauf genommen. Ebenso wurde der internationale Niedrigsteuerwettlauf zugunsten der Unternehmen und Kapitaleigner angeheizt. Der Spekulation wurde mit schlappen Finanzmarktkontrollen und Steuergeschenken, auch in Deutschland, ein roter Teppich ausgerollt und damit der derzeitige Kreditmarkt-Crash vorbereitet. Ebenso wurden die zu erwartenden stark inflationären Folgen eines so kurzfristigen Integrationsversuches von Milliarden Menschen in die kapitalistische Weltwirtschaft geflissentlich oder vielleicht absichtsvoll übersehen.
Deutsche Politiker erklärten sich gegenüber der Globalisierung für ohnmächtig oder - schlimmer noch - versteckten sich hinter dem neoliberalen Kurs der EU, als hätten sie damit nichts zu tun. Über die EU wurde auch die Verantwortung des deutschen Parlaments und damit die deutsche Demokratie zunehmend ausgehölt. Alles folgte in Deutschland und anderswo den Vorgaben des neoliberalen Papstes Milton Friedman und seiner Chicago School: Liberalisierung, Privatisierung und Kürzung staatlicher Ausgaben. Die Hymne hieß: "Je weniger Staat, je besser".
Im Ergebnis dieses Programms, aber natürlich auch des technologischen Fortschritts, nahmen die in Deutschland im verarbeitenden Gewerbe nachgefragten Arbeitsstunden immer mehr ab, seit 1991 um mehr als 30 % (Abb. 04599), in der Gesamtwirtschaft immer noch um 5 %. Die offen ausgewiesene Arbeitslosigkeit stieg trotz vieler statistischer Manipulationen von 2,6 Millionen 1991 auf 3,8 Millionen 2007 (mit einer Spitze bei 4,8 Millionen im Jahre 2005). Deutschland setzte sich beim Anteil der Langzeitarbeitslosigkeit an der aktiven Bevölkerung an die Spitze der Alt-EU-Länder und liegt auch bei der Arbeitslosenquote insgesamt nach den letzten Zahlen vom Mai 2008 am hohen Ende, nur noch von Griechenland, Portugal und Spanien übertroffen (Abb. 04068). Gleichzeitig nahmen die Arbeitseinkommen verbraucherpreisbereinigt in Deutschland die schlechteste Entwicklung (Abb. 12990).



Die Inflation hat nun in der Eurozone 4 % pro Jahr erreicht. In Deutschland sind es amtlich ausgewiesen 3,3 %. Doch je niedriger das Einkommen, desto höher die Konsumquote und desto mehr schlägt nun die Inflation zu. Nach Prof. Brachinger von der Universität Fribourg, der auch Präsident der Schweizer Kommission für die Bundesstatistik ist, liegt die Inflationslast für eine Familie mit drei Kindern und einem verfügbaren Nettoeinkommen von 2600 bis 3600 Euro in Deutschland schon bei 4,8 Prozent. Brachinger entwickelte den sogenannten Inflationslastindex (ILI), der die unterschiedliche Belastung von armen und reichen Haushalten erfasst: „Wer weniger als 900 Euro netto im Monat zur Verfügung hat, gibt 111 Prozent für Konsum aus - er muss also entweder Ersparnisse angreifen oder Schulden aufnehmen", sagt Brachinger. "Wer dagegen ein Einkommen von mehr als 10.000 Euro im Monat netto hat, gibt höchstens 45 Prozent davon für Konsum aus." Der Anteil des Nettoeinkommens, der allein für Lebensmittel, Wohnen und Energie ausgegeben wird, steigt mit sinkendem Einkommen von 36 auf fast 60 Prozent.
Warum ist das Ganze so irrsinnig? Weil diese sehr bedrückende Entwicklung durch eine andere Politik durchaus zu vermeiden war und weil allein der technologische Fortschritt und der so erzielte Zuwachs an Produktivität der Volkswirtschaften eine weit bessere Entwicklung hätte ermöglichen müssen. So ist seit 1991 die Produktivität pro Arbeitsstunde in Deutschland um mehr als ein Drittel angestiegen (Abb. 14477). Welche Steigerungen bei durchschnittlichen Einkommen und welche Zunahme an Lebensqualität hätte ein solche Wohlstandsquelle eigentlich ermöglichen müssen? Alles wurde jedoch durch falsche Politiken verspielt, und dabei sind die verschiedenen Krisen noch immer im Aufbau.

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